Der größte Selbstheilungshack

Lebe! Lebe bedingungslos, lebe verkörpert, lebe ganz und real und pur! Sag ja zu der Lebensenergie in Dir! Halte sie nicht fest, wehre sie nicht ab. Lebe jeden Moment, wie er in dir gegeben ist. Lebe! Damit wäre alles gesagt. Das ist alles, was Selbstheilung in der Essenz bedarf – radikale, lebendige Annahme des eigenen Wesens, des Lebens, das wir sind.  

Für viele mag dies zuerst wie die ersehnte Botschaft klingen. Ja, Gott sei Dank, endlich die Erlaubnis ganz zu leben. Doch wenn wir tiefer und ehrlicher hinschauen, sehen wir unsere Angst davor. Zweifelnde Stimmen melden sich. Wirklich einfach alles leben? Das ist doch gefährlich. Da kann doch auch Schreckliches passieren. Wenn ich das mache, macht es mein Nachbar vielleicht auch, und was bei ihm in der Tiefe lauert…Wir fürchten das Leben und wollen es kontrollieren, damit wir mit dem Gefürchteten nicht in Kontakt kommen.  

So sehr wir die einschränkenden Regeln, Verbote und Unterdrückungen über unserer Lebendigkeit verabscheuen und uns als Opfer dessen erfahren, so sehr bestehen wir darauf und versuchen vehement diese Lebensverbote aufrechtzuerhalten. Diese Dynamik ist oft unbewusst. Es braucht eine fortgeschrittene ehrliche Selbsterforschung, um zu realisieren, dass wir beides sind. Wir sind die Unterdrückten und wir sind die Unterdrücker. Wir kreieren diese Erfahrung in unserer Innenwelt. Kommen wir in großer Zahl dafür zusammen, heißt dies Kultur. Eine Kultur, die unter all den alltagspraktischen Fragen sich dem Ziel verschrieben hat, mit bestimmten Aspekten und Qualitäten des Lebens nicht in Kontakt zu kommen. Der Kulturvertrag lautet: Wenn ich es nicht lebe und du es nicht lebst, dann können wir gemeinsam existieren. Damit wir existieren können, halten wir die freie, wilde Lebensenergie zurück. Ich erinnere dich daran, und du mich.  

Einfach voll und bedingungslos leben wäre sofort zugänglich, wenn wir Menschen nicht solch schrecklich viele Vorstellungen und Konditionierungen um das Lebendigsein gelegt hätten und wenn auf den Weg zurück zu diesem ursprünglichen Lebensintelligenz nicht so viele Wunden uns erschreckend entgegen blitzen würden. Wenn der Aufruf “Lebe!” ausgesprochen wird, spüren wir nicht als erstes Leben, sondern unsere Vorstellungen vom Leben. Wir denken unbewusst an all die Momente, wo Leben schmerzhaft und überwältigend war, wo es unangenehm und an der Grenze des Aushaltbaren war, wo Lebendigsein Strafe und Ausgrenzung bedeutet hätte. Wir haben unsere individuellen Erlebnisse und ein riesiges Reservoir an kollektiven Erinnerungen, das sich durch unsere Nervensysteme webt. Wirklich zu leben, scheint brandgefährlich zu sein. Es geschehen Dinge, die wir nicht wollen. 

So entsteht der Versuch Lebendigkeit wieder freizuschalten, ohne diese Schmerzpunkte im Unbewussten zu berühren. Heilung wird gesucht und gerufen, doch die eigentliche Ursache, warum Heilung gebraucht wird, bleibt unbeachtet. Es gibt ganze Industrieren, die darauf aufbauen und Symptome von Symptomen lindern, ohne das tiefgreifende Heilung erlebt wird. Wir probieren die Methode oder jene Meditation und hasten von einem Seminar zum anderen, um Erlösung und Befreiung näherzukommen. Unsere Heilungsversuche können dann um die eigentliche Heilungsfrage kreisen – und viel Frustration und Verzweiflung hervorrufen.  

Die tiefe Ursache für Krankheit, Leid und seelische Verwirrung liegt im Missverstehen des Lebens und dem sturen Bestehen darauf, dass es die Wahrheit sei. Wenn wir Lebensenergie in uns abwehren, entsteht eine Blockade. Sie ist wie eine Verknotung, die die Lebensenergie umleitet und verformt. Statt der eigentlichen Form, die sie annehmen will, fließt sie in eine verstellte Form. Wir sehen eine verzerrte Form der Lebensenergie, einen Schattenausdruck davon.  

Nun denken die meisten, das sei das Leben. Sie verwechseln den freien Ausdruck von Leben mit dem Ausdruck von der Blockade um das Leben. In diesem Zustand sind wir nicht im direkten Kontakt mit der göttlichen Lebensintelligenz – können die Wahrheit nicht erkennen und die Weisheit nicht empfangen. Wir ärgern uns über das Leben und erleben es gegen uns. Dabei sind wir nicht nur die Unterdrückten, sondern auch die Unterdrücker. Wir sind es, die gegen das Leben sind. Und die Blockade, das Bild um die ursprüngliche Lebensenergie, nutzen wir als Rechtfertigung, dass Lebensablehnung hier und da und dort nötig sei. 

Wir haben verlernt, leben zu spüren, zu erkennen und zu zelebrieren. Wir haben das Leben in seiner Essenz komplett missverstanden. Wir haben begonnen das Leben zu bekriegen und die Wirkungen davon dann Leben genannt. Welch Erniedrigung und Beschämung des göttlichen Funkens in uns!  

Alle Heilungsansätze, die nicht an diesem ursächlichen Missverständnis von der Lebensintelligenz ansetzen und darauf ausgerichtet sind, können im besten Fall Symptome lindern. Das kann auch ein wichtiger und hilfreicher Schritt sein. Doch das ist noch keine Selbstheilung.  

Selbstheilung bedeutet diese Missverständnisse, die falschen Selbstbilder (=Lebensbilder), einzuschmelzen und die eigentliche Lebensintelligenz dahinter wieder hervorkommen zu lassen – spürend zu erkennen, was Leben eigentlich ist und alles sein kann. Heilung löst nicht das Problem, sondern es löst die Ursache von dem Problem. Statt die Wirkungen und Symptome der Missverständnisse zu ändern, ist Selbstheilung die Rückverbindung zu der ursprünglichen Lebensintelligenz. Dort, wo der Bruch mit dem Leben stattgefunden hat, entsteht wieder Verbindung. Wird es in seiner ursprünglichen, unverzerrten Form wieder willkommen geheißen, kann sie wirken. Das nennen wir dann Selbstheilung. 

In kurz: ein radikales Ja zum eigenen inneren Erleben ist der größte Selbstheilungshack. So blättert sich Schicht um Schicht von Missverständnissen von uns ab. In dem Ja zum inneren Erleben kommen wir in Kontakt mit den Blockaden, die wir gegen das Leben errichtet haben. Durch den Kontakt, durch das Hinschauen und Hinspüren, können wir schrittweise erkennen, was in unserer Innenwelt aktiv ist. Unter dem Licht des Bewusstseins verlieren die Unwahrheiten über das Leben ihre Kraft, und tiefere Schichten unseres Seins können hervorkommen.  

Es ist ein Prozess der Versöhnung und neues Kennenlernen des Lebens. Aus einer Schuldbeziehung mit Angriffen wird eine Liebesbeziehung mit intimen Einsichten. Wir brauchen stetig weniger Regeln und Verbote, weil wir die Schöpfung wieder verstehen und wissen, ich kann dem Leben Vertrauen. Die Enge im Bewusstsein weitet sich und die ursprüngliche Unschuld und Schönheit des Lebens kann erkannt und erlebt werden – ganz schlicht, ganz geerdet, ganz verinnerlicht.  

Selbstheilung ist also kein einzelner Befreiungsschlag, sondern vielmehr eine vielseitige innere Reise mit vielen Stationen und Phasen. Das ganze Leben kann zu solch einer heilsamen, lebendigen Entwicklungsgreise werden. Dann brauchen wir Leben nicht mehr in eine nicht eintretende Zukunft verschieben, die erst kommen würde, wenn Selbstheilung geschehen ist. Wir setzen bei der Wurzel an und kehren die Mechanismen um. Wenn seelisches Leiden durch Lebensablehnung entsteht, dann geht Heilung aus Lebensannahme hervor. Somit verschmelzen Heilung und Leben: wir leben, weil das die Heilung ist.  

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Für alle im forschenden Ringen mit dem Leben dient der Blog als Unterstützung, um innerlich leben zu lernen. Er thematisiert Wege durch das Dickicht der inneren Auseinandersetzung und gibt Inspirationen, um das Leben aus dem Schatten zu befreien und neu kennenzulernen. Dabei schreibt Sara Gnanzou aus bewegten Worten ihrer Forschungen, um Forschungen anzuregen – die Beziehung mit der Göttin, der schöpferischen Lebenskraft, lebendig werden zu lassen und sich mit ihr schöpferisch intelligent durch das Leben zu bewegen.

About Sara Gnanzou

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