Innere Ruhe oder dissoziative Verstummung?

„In wahrer Ruhe vibriert innere Lebendigkeit, die in der Verstummung unterdrückt bleibt.“

Kultur der Lebensablehnung

Statt die Kultivierung von Lebenskraft zu erlernen, haben viele Menschen im Erwachsenwerden ein Training in Lebensablehnung durchlaufen. Und dieses Training ist körperlich konkret. Es geht um die Gefühle, die wir unter dauerhafter Muskelkontraktion unterdrücken. Es geht um die Empfindungen, bei denen wir aufhören zu atmen. Es geht um die Geschichten, die wir ablenkend zu unserem verkörperten Spürgewahrsein erzählen. So viele Möglichkeiten um von der direkten Erfahrung zu dissoziieren. Sie alle haben auf der Kehrseite gemein, dass Leben dadurch kleiner und stummer gemacht wird.

Kommend aus einer Kultur solcher Lebensablehnung liegt bei der Auseinandersetzung mit innerer Entwicklung eine Verwechslung von innerer Ruhe und dissoziativer Verstummung nah. Wir wollen uns innerlich entwickeln, Leben wieder bejahen und endlich aus dem gewaltvollen Miteinander heraus. Doch wir bringen unsere konditionierten Verdrehungen mit. Und so ändern wir äußere Handlungen – unser Sprechen, den Tagesablauf oder die Menschen, mit denen wir uns treffen. Jedoch fehlt noch Einsicht in die inneren Bewegungen und die generelle Lebensausrichtung. Damit bleibt die tiefere Ursache von den schmerzhaften Symptomen der Lebensablehnung unerkannt – und sie leben weiter in den neuen äußeren Handlungen.

Kultur gepaart mit innerer Entwicklung

Dann können wir einer spirituellen Praxis nachgehen, doch nähren mit ihr die bisherigen Konditionierungen und die damit einhergehende Lebensablehnung. Wir setzen uns für eine Meditation im perfekten Lotussitz hin, doch hören wieder auf zu atmen. Wir gehen zu einem tantrischen Begegnungsabend, unterdrücken jedoch während des Austausches die schmerzhafte Erfahrung von Beziehungslosigkeit. Und wir erzählen uns Geschichten von unserem Entwicklungsstand oder bewusstseinserweiterten Zuständen, während psychische Wundheit vergangener Tage ungespürt bleibt. Beim Blick in die Innenwelt entsteht die Annahme dort finde innere Entwicklung in Richtung Ruhe statt, dabei ist die Innenwelt weiterhin unentwickelt und still unter Verstummung.

Erforschung von Energie und Mustern

Um dieses schmerzhafte Dilemma auseinander zu dröseln, braucht es energetische Körperforschung. Und dabei hilft es sowohl die Erfahrung von zur Ruhe führender frei fließender Energie körperlich kennenzulernen als auch die lebensverneinenden Kulturmuster zu erforschen. Entwickeln wir ein Spürgewahrsein für diese beiden Lebensmoduse wie sie in uns lebendig sind, können wir jeder Zeit eine Unterscheidung zugänglich machen. Wir bekommen bewusst mit, ob wir gerade Leben unterdrücken und es deswegen verstummt still in uns ist oder ob wir in einer lebendigen inneren Ruhe gelandet sind.

Wahre Ruhe

Wahre innere Ruhe zeichnet sich von einer Balance von Aktivität und Entspannung aus. Man ist wach präsent und kann dienlich auf die Geschehnisse antworten – und das sowohl in der eigenen Innenwelt als auch im sozialen Miteinander. Es besteht eine Offenheit für die spontanen und flukturierenden Bewegungen auf der relativen Ebene sowie aller Dynamiken, die darin stattfinden können. Eine Handlungskraft, die Wahres und Unwahres unterscheiden kann, ist zugänglich. Und diese kommt aus einer undramatischen Zentriertheit, die aus einer Verbundenheit mit den tiefen Bewegungen des Lebens und nicht den egoistischen Lebensvorstellungen entspringt.

Durch frei fließende Lebenskraft und dessen uneingeschränkte Entwicklung entsteht kein Energiestau, um den man beginnt unruhig zu kreisen. Die Einbeziehung vom gesamten Lebensspektrum und Kultivierung vom Erwachen des Energie- und Bewusstseinfeldes, fördern also innere Ruhe. Dabei erweitert sich das Bewusstsein, von dem man losgelöst Energiebewegungen beobachten kann.

Demnach ist innere Ruhe kein Gefühlszustand oder das Resultat von Problemlosigkeit, sondern eine Art und Weise mit Leben in Beziehung zu sein. Innere Ruhe steht nicht isoliert für sich allein. Sie ergibt sich aus einem weisen mit dem Leben in friedlicher Ruhe sein, in welchen Formen es sich gerade auch zeigen mag oder welche Handlungen auf relativer Ebene es bedarf. Umso stabiler und geerderter die Beziehung zum Leben ist, desto mehr innere Ruhe erfährt man.

Dissoziative Verstummung

Liegt eine Verwechslung von wahrer spiritueller Ruhe mit Verstummung vor, bleibt eine Lebensablehnung unerkannt. Verstummung lässt Stille durch Unterdrückung von Lebensbewegungen entstehen. Während innere Ruhe aus einer natürlichen Entwicklung entsteht, wird in der Verstummung der Zustand künstlich herbeigeführt. Somit kann er nur mit Anstrengung aufrecht halten werden. Und um diesen Zustand aufrecht zu erhalten, muss alles, was ihn zusammenbrechen lassen und ins Schwanken bringen würde, abgewehrt werden.

In der Verstummung will man sich deswegen nicht innerlich berühren lassen und ist nicht offen für die spontanen, verwechselnden Lebensbewegungen der relativen Ebene. Vielmehr versucht man all diese Bewegungen zu minimieren und unterdrückend zu kontrollieren.

Das erklärt, warum in der Verstummung eine Erfahrung von Ausgeliefertsein mitschwingt. Statt auf das Leben (vor allem in der eigenen Innenwelt) zu antworten, ignoriert man es und steht ihm dann passiv und handlungsunfähig gegenüber. Das Bewusstsein verengt sich dadurch und ein Schatten entsteht, der durch die Welt als Spiegel herangetragen wird. Oft werden dann diese Spiegel als Störfaktor oder einschränkende Mächte für die Ruhe erfahren.

Verstummung ist also eine Vortäuschung von Stille und vor allem eine Selbsttäuschung. Es ist die Verdeckung von Leben, dass wir ablehnen und nicht verkörpert durchleben wollen. Die selbsttäuschende Verdeckung funktioniert so gut, dass es scheint, da sei nichts. Währenddessen Lebensenergie gefangen gehalten und unterdrückt wird. Dieses Nichts ist unlebendig und das Gegenteil von dem lebendigen Nichts als Lebensessenz.

Da dieser Mechanismus oft tiefer im unbewussten Schatten stattfindet, mangelt es an Bewusstsein dafür. Und so bleibt bis zur ehrlichen Erforschung unerkannt, dass man sowohl der Gefangene, der Gefängniswärter und das Gefängnis ist. Das ist die Grundlage von Gewalt, die spirituell begründet wird und die nichts mit authentischer Spiritualität oder innerer Entwicklung gemein hat.

Kontinuierliches Kennenlernen der Göttin

In der inneren Entwicklung spielt der kulturelle Hintergrund, aus dem wir uns heraus entwickeln wollen, eine beachtliche Rolle. Und so ist der Weg zur inneren Ruhe für die meisten im deutschsprachigen Raum eine Erforschung der dissoziativen Verstummung. Es ist ein sanftes Studieren der Unterdrückungsmuster und ein kontinuierliches Kennenlernen von fließender Lebensenergie. In dem Prozess eröffnet sich automatisch authentische innere Ruhe und mit ihr eine lebendige Beziehung mit der Göttin, dem ewigen Leben.

Sind Sie bewegt? Dann hinterlassen Sie ein Kommentar und Like, abonnieren Sie den Newsletter für kostenfreie Events mit gemeinsamer heilsamer Lebensforschung!

Leave a Reply

Für alle im forschenden Ringen mit dem Leben dient der Blog als Unterstützung, um innerlich leben zu lernen. Er thematisiert Wege durch das Dickicht der inneren Auseinandersetzung und gibt Inspirationen, um das Leben aus dem Schatten zu befreien und neu kennenzulernen. Dabei schreibt Sara Gnanzou aus bewegten Worten ihrer Forschungen, um Forschungen anzuregen – die Beziehung mit der Göttin, der schöpferischen Lebenskraft, lebendig werden zu lassen und sich mit ihr schöpferisch intelligent durch das Leben zu bewegen.

About Sara Gnanzou

Wissen
heilsame Perspektiven über die inneren Zusammenhänge dieses schrecklich schönen Lebens

Discernment
a study of inner movements for orientation and conscious creation

Poetry
poetische Wegweiser für die Reise aus dem Leid zur Beziehung mit der Göttin

Praxis
Inspirationen um das Leben pulsieren zu spüren

Discover more from Tiefbewegt

Subscribe now to keep reading and get access to the full archive.

Continue reading