Sich das eigene Leben zeigen lassen

„Das Erwachen zum Leben ist die Hingabe an eine Biographie, wie sie die Göttin schöpft.“

Die Idee eines selbstgemachten Lebens

Ich atme seufzend ein und aus. Die kulturelle Idee eines selbstgemachten, erfolgreichen Lebens klebt zäh wie ein Kaugummi an unseren spirituellen Wanderschuhen. Es scheint, als ginge es darum die eigene Schöpferkraft in die Hand zu nehmen und das Leben besser zu gestalten – gelassener, heiler, erfüllter…Es wirkt spirituell, ist es jedoch nicht. Mir wird übel, mein Magen revoltiert bei all der Unwahrheit, die sich gekonnt hinter Weisheitssprüchen versteckt. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, hier soll sich die Schöpferkraft den kulturellen Ideen eines guten Lebens unterwerfen. Wieder einmal.

Als die braven Mädchen und Jungen, zu denen wir erzogen wurden, zieht es uns zu dieser spirituellen Verdrehung. Wir gieren nach mehr Wissen, Übungen und Ratschlägen, die uns sagen, was wir falsch machen, warum wir nicht haben, was wir suchen, und wie wir es eigentlich machen sollten. Endlich scheint da jemand zu sein, der uns sagen kann, wie nun dieses gute Leben zu erreichen ist.

Tiefere Beweggründe hinter Biographiegestaltung

Durchdringen wir das Muster der Gehorsamkeit nicht bis zur Wurzel, bleiben wir ihm unweigerlich ausgesetzt. Unbewusst glauben wir, an uns und an dem sich aus uns manifestierenden Leben sei etwas falsch. All das Scheitern und der Schmerz, die oberflächlichen Beziehungen und unerreichten Wünsche sind der Beweis dafür. Wir fühlen uns schlecht und schuldig und klein. Da kommt das nächste Coachingprogramm mit der Lösung – jemand der dir zeigt, wie du dein Problem (sprich dein Leben) löst und das perfekte seelische Leben in Glück und Verbundenheit kreieren kannst.

Wir strengen uns an, studieren die hermetischen Gesetze und versuchen fleißig mit unseren Emotionen in Kontakt zu kommen. Wir wollen endlich die Verantwortung übernehmen und unserer Leben neu gestalten, damit es schön und gut wird. Wir glauben uns nun endlich aus den Fängen der repressiven Kultur zu befreien, die Intention der Selbstfürsorge umzusetzen und die schmerzende Matrix hoffnungsloser Albträume aus unseren Nervensystem zu waschen.

Dabei hat sich das brave Kind lediglich von einer Vorgabe zur nächsten bewegt. Es will so sehr alles richtig machen, damit es endlich bekommt, was es braucht. Das ist keine Handlung der Weisheit, die die Schöpfungszusammenhänge durchdrungen hat, sondern die Kulturkonditionierung schlechthin. Der Beweggrund, und damit die Schöpfungsquelle, bleibt die gleiche. Die eigentliche Lebenserfahrung wird abgelehnt und soll dann mit einer besseren Version ersetzt werden. Auch wenn die Ablehnung nun Persönlichkeitsentwicklung oder Ausweg aus der Matrix genannt wird, bleibt sie weiterhin Ablehnung.

Der Druck ein bestimmtes Leben leben zu müssen

Müde und erschöpft fallen wir nach der Euphorie über den Ausweg zurück in den inneren Konflikt, nicht das schöne und gute Leben kreiert zu haben. Ein fruchtbarer Nährboden für Scham und Schuld; für einen unbewussten Schatten, der eher innere Unehrlichkeit unterstützt und wie ein Stein in unseren spirituellen Wanderschuhen reibt.

Eine Biographie mit bestimmten Erfolgen, Erfahrungen und Ereignissen kreieren zu wollen, ist der direkte Weg ins Leid. Der Druck ein besseres, gesünderes oder erfüllteres Leben zu leben, entspringt immer der Gehorsamkeit als Folge innerer Ablehnung. Es ist eine innere Bewegung des Angriffes, die in ein Gewand von Selbstfürsorge gehüllt ist. Die eigene Biographie schreiben zu wollen, ist eine Spätfolge kindlicher Unterlegenheit und Anmaßung eines spirituellen Egos. Es ist ein unbewusster Rettungsversuch und Ignoranz aus fehlender Einsicht in die Schöpfung.

Das Ja zur eigenen Erfahrung

Dabei ist leben, wirklich zu leben, so viel einfacher. Wir müssen uns unsere Lebenserfahrungen nicht aussuchen, manifestieren oder herbei beten. Wir müssen uns nicht einmal darauf fokussieren, eine Biographie mit guten Ereignissen oder schönen Umständen zu haben. Den Verlauf unseres Lebens kontrollieren wir nur dann, wenn wir der Göttin nicht vertrauen und unsere eigentliche Lebensenergie blockieren wollen.

Wirklich zu leben bedeutet, die eigentliche echte Erfahrung innerlich zu erkennen und ihr zu begegnen. Erfahrung um Erfahrung um Erfahrung. Von Moment zu Moment zu Moment. Welle um Welle um Welle.

Dadurch kommt Lebensenergie in Bewegung. Jede Bewegung ist wie ein Pinselstrich der Göttin. Mit jedem Pinselstrich entsteht eine noch nie zuvor gelebte Lebensgeschichte. Das ganzkörperliche, bewusste Einlassen auf die Erfahrung entwickelt das Leben, schreibt die Biographie.

Von der Erfahrung eines Einfalls für ein neues Projekt bis hin zur Erfahrung im Schlund ewig wehrender Schmerzen zu versinken – das innerliche Durchleben erlöst das Leben, was dahinter steckt.

Wenn die Göttin wieder schöpfen kann

Diese Biographie ist eine Entwicklungsgeschichte, eine Evolutionsreise der Seele. Sie kennt dunkle Schattierungen, erste ungelungene Versuche und Schichten von überlagerten Farben, die erst beim letzten Betrachten sich als besonderer Effekt für die aufgehende Sonne erweisen.

Wenn die Lebensenergie sich in uns bewegen darf, kann die schöpferische Intelligenz der Göttin übernehmen. Anstatt das wir unsere Biographie schreiben, lassen wir uns unsere Biographie erzählen.

Die Göttin erzählt und wir lauschen, lernen und werden durch ein ureigenes Menschenleben bewegt. Das Urteil über annehmbare und nicht annehmbare Erfahrungen verblasst. Die Scham und Schuld über das Leben fällt ab. Die harte Einschränkung illusionärer Lebensbilder wird sichtbar und zerbröckelt unter dem wachen Blick der inneren Lebensbejahung.

Wenn die schöpferische Lebenskraft so wirken kann, offenbart sie uns wahres Leben – das ewige Leben hinter allem. Es ist solch eine von der Göttin bewegten Biographie, an deren Ende wir sagen können: wir haben gelebt.

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Für alle im forschenden Ringen mit dem Leben dient der Blog als Unterstützung, um innerlich leben zu lernen. Er thematisiert Wege durch das Dickicht der inneren Auseinandersetzung und gibt Inspirationen, um das Leben aus dem Schatten zu befreien und neu kennenzulernen. Dabei schreibt Sara Gnanzou aus bewegten Worten ihrer Forschungen, um Forschungen anzuregen – die Beziehung mit der Göttin, der schöpferischen Lebenskraft, lebendig werden zu lassen und sich mit ihr schöpferisch intelligent durch das Leben zu bewegen.

About Sara Gnanzou

Essay
heilsames Wissen über die inneren Zusammenhänge dieses schrecklich schönen Lebens

Poetry
poetische Wegweiser für die Reise aus dem Leid zur Beziehung mit der Göttin

Geschichten
berührende Begegnungen um das Leben pulsieren zu spüren
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