Für viele scheint sehr einleuchtend zu sein, was der Bewusstseinsschatten ist: das Schlimme, was da draußen passiert. Die Kriege, die Korruption, die Lügen in der Familiengeschichte, Epstein und seine pädophilen Freunde…Und damit ist es nur logisch direkt zum Lösungsansatz überzugehen.
Das die Lösungsansätze nur bedingt hilfreich sind oder überhaupt nicht zur Lösung führen, wird dann auf den Ansatz zurückgeführt. Und so entsteht schnell die Suche nach Ansätzen und Methoden, ein Hüpfen von einem Coach zum nächsten Lehrer. Wir suchen nach der Lösung, die das von uns definierte Problem beheben soll.
Doch wenn wir meinen das Problem schon zu kennen und nur noch die Lösung finden zu müssen, sind wir vielmehr vom Problem bestimmt als wir meinen. Es ist die größte Herausforderung im Ausstieg aus Schattenwelten: das Erkennen vom Schein.
Schein – des Schattens kleine Schwester
Der Schatten wird meist nicht richtig erkannt und definiert, weil er in Schein gehüllt ist. Wir geben uns dann mit schnellen Erklärungen zufrieden, weil sie harmonisch mit unseren unbewussten Scheinvorstellungen vom Leben einhergehen. Wir meinen den Schatten schon erkannt zu haben, dabei sind wir in eine weitere Schicht von Schein gehüllt worden.
Es wirkt wie ein Schritt nach vorn, obwohl es nur ein weiterer Schritt im Kreis war. Äußerlich gibt es vielleicht Veränderung, doch in der Tiefe ist unsere Beziehung zum Leben in uns nicht freigeschaltet wurden. Nachdem der Hype um die neue Methode oder Lehrer abebbt, merken wir, irgendwie stecken wir in der Tiefe immer noch fest.
Der Schein hilft den Schatten aufrechtzuerhalten, ihn unerkennbar zu machen. Er ist des Schattens kleine Schwester. Gehen wir nicht einer tiefgründigen Schattenforschung nach, fallen wir immer wieder auf die süßlichen Verführungen des Scheins hinein und wundern uns leidvoll, warum wir uns weiterhin in den gleichen Mustern und Erfahrungen gefangen erleben.
Was also ist der Schatten in unserem Bewusstsein?
Als aller erstes ist der Schatten in UNSEREM Bewusstsein. Er ist nicht irgendwo da draußen in der Welt. Erkennen wir Schattenausdrücke in weltlichen Formen, ist das gut und ein wichtiger Schritt in der Selbstentwicklung. Doch damit haben wir noch nicht den Schatten an sich erkannt und gelüftet. Vielmehr bleibt der Schatten dann eine Projektion auf die Welt, mit der wir dann im Konflikt sind.
Schattenausdrücke entstehen durch Lebenskräfte, die abgelehnt werden und sich auf Umwegen durch die Unterdrückung in unwahren Formen zeigen. Der Schatten ist die Schicht von Unwahrheit. Ein Filter, der die Wahrheit entstellt und unkenntlich macht. Es ist ein Unterschied, den Ausdruck wahrzunehmen oder die Unwahrheit, die ausgedrückt wird, als Unwahrheit zu entlarven.
Das Wahrnehmen von Schattenausdrücken hilft den Weg zu den Unwahrheiten, die den Schatten bilden, zu finden und damit die Wahrheit dahinter zu entdecken. In einer authentischen Forschung wird schnell deutlich, dass der Schatten sich nicht nur in Horrorszenarien ausdrückt. Positives ist wie Negatives Teil des Schattens. Schauen wir nur auf die Schrecklichkeiten der Weltgeschichte und unserer eigenen Biographie, werden wir die Natur des Schattens in der Tiefe nicht erkennen und weiterhin abseits der Wahrheit des Lebens leben. Wir sind dann anfällig für die angenehmen Seiten des Schattens. Extremer Komfort, übertriebener Optimismus und hilfreiche Nettigkeiten können unsere Lebenskräfte genauso gefangen halten wie Mangel, Unwert und Gewalt. Der Schatten ist also nicht mit negativen Erlebnissen aller Art gleichzusetzen. Negative und positive Erfahrungen gehören zu einem sich entwickelnden Leben dazu. Der Schatten ist eine Verdeckung von ewiger Lebenswahrheit – egal ob positiv oder negativ.
Schattenforschung als Befreiungspraxis
Das macht die Schattenforschung komplexer, doch auch Weg weisend. Wollen wir die leidvollen Schattenwelten verlassen, müssen wir umfassender die Natur des Schattens erforschen. Warum?
Der Schatten kann sich nicht aus sich selbst heraus aufrechterhalten. Er generiert sich immer aus einer Lebenskraft, die von ihm umhüllt ist. Und der einen Seite ist es genau das, was den Schatten früher oder später leidvoll macht – Leben wird gefangen gehalten und kann sich nicht frei im Kosmos unseres Seins bewegen. Auf der anderen Seite zeigt es uns, wo Lebenskraft wiederentdeckt werden kann. Das macht Schattenforschung zu einer Bewusstseinspraxis, zu einer Befreiungspraxis.
Anstatt das Leben aus dem Schatten zu befreien, kann der Schein, Leben irgendwo anders finden zu wollen, sehr kraftvoll wirken. Dann suchen und suchen und suchen wir überall nach Leben – bloß um immer wieder auf die Schattenerfahrung zurückzufallen. Unerkannt ist das ein Teufelskreis. Doch erkennen wir den Mechanismus und wissen um die Wahrheit entstellende Natur des Schattens, können wir gezielt durch den Schatten zurück zur Wahrheit des Lebens finden.
Schattenerkenntnis, Lebenserkenntnis
Uns abzuschrecken, im Schein zu vernebeln und Leben durch Unwahrheiten unkenntlich zu machen sind wesentliche Elemente des Schattens. So können wir mitten im Schatten unser Dasein verbringen ohne zu bemerken, dass dies Schatten- und Scheinwelten sind. Das Erforschen der Natur des Schattens in unserem eigenen Bewusstsein ist der einzige zielführende Ausweg. Denn sobald wir den Schatten in seiner Essenz entlarvt haben, verliert er die Kraft und die Wahrheit des Lebens, die in ihm gefangen war, wird befreit.
Die beste Überprüfung, ob wir den Schatten wirklich erkannt haben, ist also die Erkenntnis von Wahrheit, die verkörperte Erfahrung der inneren Beziehung mit dem Leben.








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