Wie können wir uns wieder wirklich für Leben interessieren? Eine Frage, die mich mit am meisten beschäftigt. Ich lausche wach Richtung Herz und spüre tiefes Mitgefühl. Es ist eine vertrackte Situation! So sehr wir uns nach Leben sehnen, so sehr lehnen wir es auch ab. Natürlich wollen wir uns ganz von Leben erfüllt erfahren und doch haben Jahrhunderte voller Verletzung, Enttäuschung und Gewalt eine tiefe Furcht vor dem Leben in uns eingeschrieben.
Auf der einen Seite erwarten wir, wahres Leben sei eine große freudige Wunderreise und durch Heilung oder spirituelles Erwachen zu erreichen, und auf der anderen Seite assoziieren wir Gefahr und Leid mit Leben, vor dem wir uns schützen wollen. Zwischen den zwei Extremen schwankend wünschen wir uns Leben – aber doch bitte nur das angenehme!
Jeder, der halb ernsthaft sich mit innerer Entwicklung auseinandersetzt, weiß um die Versuchung der Einseitigkeit. Nur angenehm geht nicht – die Ebene der Dualität besteht aus zwei Seiten. Die Göttin kreiert mit der linken und der rechten Hand. In jeder berührenden Geschichte gibt es Momente des Scheiterns, des Schmerzes und der Verzweiflung.
Der Bumerang der Leidvermeidung
Doch die gut gemeinte spirituelle Aufforderung „einfach alles zu zulassen“ ist im Moment der Abwendung nicht nur unhilfreich, sondern auch naiv bis gewaltvoll. So viele Erfahrungen zerren überfordernd an unseren Nervensystemen. Abgrundlose Einsamkeit, vernichtende Demütigung oder Wunden von verstummender Gewalt flechten sich in Biographien von Menschen und Nationen. Wie kann man zu all dem Ja sagen und sich dafür interessieren? Wozu überhaupt?
Weil wir dadurch heilen und frei werden können? Ein Ja zu solch Schmerz verdrehten Erfahrungen aufgrund von Heilungsaussichten ist nur ein gut verkleidetes Nein. Eigentlich wollen wir sie insgeheim los werden, um eine angenehmere Welt zu fahren. Doch bei diesem Punkt waren wir schon mal und kehren bei allen noch so cleveren Lebensumgehungsversuchen wieder dorthin zurück. Eine nur angenehme Welt bleibt ein unentwickelter Kinderwunsch. Kein wahrer Meister hat jemals die Möglichkeit eines nur angenehmen Lebens gelehrt. Sie lehren die Ermächtigung mit allem Leben, angenehm und unangenehm, in Begegnung zu gehen.
Irgendwann bekommen wir mit, dass ein Ausblenden von unangenehmen bis grausamen Erfahrungen wie ein Bumerang auf uns zurückschießt. Schlussendlich kreieren wir mit der Vermeidung von Leid nur noch mehr Leid – und das vor allem für uns selbst.
Um das Leben im Leiden kreisen
Wie also können wir wirklich das Herz auch für dieses so erschütternde Spektrum an Lebenserfahrungen öffnen? Wie können wir uns ermächtigen wie es die Meister lehren?
Zwang funktioniert nicht. Sich mit positiven Effekten zu motivieren ist verdrehende Manipulation fernab vom Herzen. Und zu hoffen, dass durch äußere Ereignisse wie kosmische Lichtstrahlen oder das Treffen der richtigen Heilerin das große Erwachen unweigerlich ermöglicht, lässt uns in einer unermächtigten Kinderrolle bleiben.
In allen Fällen kreisen wir um die Erfahrung selbst. Und das zu erkennen, kann ein Schlüssel sein. Wir kreisen um etwas, dass uns anzieht und dessen wir uns nicht entziehen können. Doch wir kreisen darum, weil uns etwas abhält ganz direkt darauf einzugehen. Das zeigt uns, dass in den unangenehmen und leidvollen Erfahrungen Leben auf uns wartet, dass wir insgeheim missen. Wir wollen dieses Leben, diesen verloren gegangenen Funken der Ewigkeit. Doch sehen wir noch nicht den Weg den erschütternden Erfahrungen davor zu begegnen, noch kennen wir unsere eigene Kraft nicht.
Im Kreisen meinen wir oft, dass es nun eine einmalige Entscheidung oder richtige Handlung, die dann endlich zur Öffnung führt, braucht. Und so versuchen wir uns zu entscheiden, zu öffnen und zu zuwenden.
Vielfalt göttlicher Schöpfungsbewegungen
Doch das ist nicht, wie die Göttin sich bewegt. Die schöpferische Lebenskraft kreiert auf ihre ganz ureigene Weise. Statt starr auf diese erschütternde Erfahrung fixiert zu sein und sie endlich zu lösen, kennt sie eine Vielfalt an Schöpfungsbewegungen, die diese Erfahrung mit in das Leben hineinwebt.
Die Göttin kennt die zarte Annäherung, in der unsere Angst vor der Erfahrung schrittweise abfällt und unmerklich das Leid sich zu einem guten Freund verwandelt. Die Göttin kennt die großen Lebensreisen, die nach vielen Abenteuern wieder zu dem alten Schmerzpunkt führen und dann eine Begegnung von einer reiferen Perspektive ermöglichen. Und ebenso kennt die Göttin die ehrliche Auseinandersetzung und Erschütterung über das eigene ablehnende Verhalten, die durchkneten bis zur Herz öffnenden Erkenntnis.
Mit einer unermesslichen Kreativität kann sie Milliarden von Wegen der Ermächtigung manifestieren. Wir müssen uns keinen Ausdenken oder mit krampfhaften Anstrengungen ermöglichen. Es ist nicht dieser eine Ermächtigungsmoment, der in vielen Fällen den erlösenden Durchbruch bedeutet. In der schöpferischen Bewegung mit der Göttin wird die gesamte Lebengeschichte zu einer stetigen Ermächtigungsreise – nachhaltig, verdaubar und bewusst erlebbar.
Ein Leben mit vielen Stationen
Das Interesse am Leben können wir nicht mit einem tollen spirituellen Trick herbeiführen – und das brauchen wir auch nicht! Wenn wir etwas noch vom Leben ausschließen oder uns dem nicht zu wenden, es vielleicht nicht einmal bewusst mitbekommen, dann bedeutet das nicht, wir seien zu lebensdumm oder unser Leben liefe generell falsch. Es zeigt viel mehr, dass unsere Entwicklungsreise noch weitere Stationen hat.
Diese Stationen müssen wir nicht kennen, wir brauchen sie nicht finden. Durch die Zuwendung zu der Erfahrungen des Nicht-wissens und Zusein und Stagnieren wie sie jetzt in uns lebt, kann die Göttin uns weiterbewegen – zum nächsten Atemzug, zur nächsten Station, zur nächsten inneren Begegnung. Dabei eröffnet sich unser ureigener Weg zur Erlösung des Leidens und Öffnung des Herzens – und alle Schritte bis dahin sind Teil unserer ermächtigenden Lebensreise.
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