Angst als Tor zum Leben

Leben – im Fluss des Lebens baden und sich in tiefer Freude und Verbundenheit mit der Schöpfung bewegen. Ganz in der Gewissheit sein, die eigene Rolle im kosmischen Theater zu kennen. Man kann es in vielen Worten umschreiben – man selbst sein, frei sein, sich entwickeln. Es ist diese Ahnung, dass es einen tieferen Sinn und Stimmigkeit gibt, dass stupides Langhinleben und leiddurchzogene Tage nicht die letzte Wahrheit sein können. 

Wer sehnt sich nicht danach? Ob diese Bewegungen bewusst sind oder nicht, wir sehnen uns nach Leben. Wir rufen es. Die Suche und die Sehnsucht beben tief ins uns. Natürlich! Denn wir sind dieses Leben, dass wir suchen.  

Am Anfang ist dies nicht so offensichtlich. Wir suchen Leben, weil es uns fehlt. Es scheint etwas anderes außerhalb von uns zu sein, dass wir finden müssen. Wir wollen es uns erarbeiten, gut genug dafür sein oder mit Strategien erreichen. Wir suchen im Außen – in Beziehungen, bei Vorbildern, in der Karriere, in körperlicher Gesundheit…die Liste ist schier endlos. Jeder Mensch hat seine individuelle Vorstellung, wo und wie Leben zu erreichen wäre.  

Irgendwann beginnen unsere Seelen sich dessen bewusst zu werden. Die Suche in den Erscheinungen der Welt stellt sich mehr und mehr als unfruchtbar heraus. Müdigkeit und Erschöpfung tauchen auf. Die Enttäuschung über die anhaltende seelische Unerfülltheit in der Welt ebent Schritt für Schritt den Weg zur inneren Suche. 

Der ehrliche Blick nach innen löst dann jedoch statt Erfüllung über das wunderbar prickelnde Leben eher eine wuchtige Welle von Angst aus. Wir kommen mit unseren Themen in Kontakt, den lang unterdrückten Emotionen und stetig neuen Lebensfragen. So schwanken viele Suchende zunächst zwischen Öffnungen mit Lebendigkeitsmomenten, alltäglichen Herausforderungen und dem unterschwelligen Überlebensmodus. Das Ding mit der Selbsterforschung und göttlicher Lebendigkeit scheint dann sehr kompliziert und undurchdringlich. Wie geht das mit dem Leben in mir in Beziehung zu sein? Die Bindung scheint schnell wieder zu verschwinden. Nur ein kurzer Hoffnungsmoment. Schwindelerregend hin und her geworfen, meldet sich die Frage, warum diese Beziehung mit dem Leben so schwierig zu sein scheint. 

Viele suchen, nur wenige finden 

Und für wahr: viele suchen, doch nur wenige finden. Zunehmend mehr Menschen schenken ihre Zeit der Heilung, Praxis und Kontemplation – doch die Wirkungen sind für viele enttäuschend wenig oder unbefriedigend. Alle Motivationssprüche und das Schöngerede beiseitegeschoben, der Weg wird eher zäh und undurchdringlich erlebt. Herausforderungen bleiben, Fragen sind weiterhin unbeantwortet und die Emotionen wirken immer noch überladend.  

Das kann zu tiefen Krisen führen. Kann das Leben wirklich in Freiheit und Lebendigkeit erlebt werden? Kann ich mich immer von dem Göttlichen bewegen lassen? Oder ist dies doch nur ein träumerisches Märchen und ein Lebensgefühl, was sich in vielen Lebenssituationen nicht durchsetzen kann? 

Das Thema kann von vielen Perspektiven betrachtet werden. Manche Methoden funktionieren besser als andere. Nicht jeder Lehrer ist für jeden Suchenden passend. Jeder hat seine individuelle Seelenreise und Lektionen darin, die sich erst bei einem tieferen Blick hinter die Umstände und alltäglichen Gefühle zeigt. Doch jenseits dieser vielen Variablen gibt es eine wesentliche Erkenntnis über die Herausforderung der Selbsterforschung, die wie eine hilfreiche Karte durch den Schattendschungel ins Erwachen zum Leben führt. 

Bilder oder Wahrheit sehen 

So sehr wir das Leben rufen, so sehr haben wir auch Angst davor. In unserem Alltagsbewusstsein wünschen wir uns Lebendigkeit, Lösungen für unsere Probleme und tiefe Bewegtheit durch das Göttliche. Doch in unserem Unbewussten schlummert eine immense Panik davor. Dort aus dem Schatten wirken dann Kräfte, die wir lieber mit Regeln und Masken einschränken als sie zu erforschen und kennenzulernen. Diese Kräfte zeigen sich in den äußeren Erscheinungen als Menschen und Umstände. Sie scheinen im Weg zum prickelnd vibrierenden Leben zu stehen. Mit solch innerer Dynamik können Jahre des Heilens und Praktizierens vergehen, ohne das tiefgründige Wandlung geschieht. Ein nährreicher Boden für Frustration und psycho-spirituellen Burn-out. 

Doch wieso haben wir solch Angst vor dem Leben? Wieso schenken wir diesen Angstbildern so viel Glauben? In anderen Worten – warum ist es solch eine Herausforderung sich selbst zu zuwenden und Selbsterkenntnis zu erlangen?  

Eine Erkenntnis hat mir den Weg eröffnet, mich meiner Innenwelt und Ängsten immer mehr mit bedingungslosem Interesse und sogar mit Freude zu zuwenden: Angst entsteht aufgrund von Bildern oder einem Glauben, den ich über das Leben habe – nicht aufgrund der Wahrheit des Lebens.  

Schauen wir nach Innen und werden mit Leben konfrontiert, sehen wir zuerst nicht das Leben selbst, sondern den lebensverdeckenden Schatten. Wir sehen eine Vorstellung vom Leben, die wir um sie gelegt haben. Und dann schrecken wir, den Bildern und Vorstellungen Glauben schenkend, zurück. Wir glauben zu erkennen und zu wissen, dabei ist die Wahrnehmung unklar. Anstatt direkt und unmittelbar mit dem Leben in Kontakt zu sein, wirkt eine trennende Wahrnehmung. Das Leben wirkt fremd und fern. Wir nehmen also meist nicht die Wahrheit des Lebens wahr, sondern sehen Bilder des Schattens, den wir verdunkelnd um die Wahrheit gelegt haben.  

Es ist genau diese trennende Wahrnehmung, die eine Bestätigung und Rechtfertigung für die Trennung zum Leben bewirken kann. So kann man Jahre und Lebzeiten in diesem Teufelskreis verbringen – das Leben rufen, es dann durch eine Fehlwahrnehmung nicht erkennen, die Trennung durch eine verurteilende Wahrnehmung bestätigen und dann wieder das Leben rufen. Das sind karmische Muster, die auch im Unbewussten und sehr subtil wirken. Die Reaktion auf die Aktion einer Lebensenergie ruft wieder eine Reaktion hervor. Es ist immer der Glaube an die Schattenbilder, der die Angstreaktion nährt.  

Die verurteilte, abgetrennte Lebensenergie wurde in den Schatten verbannt. Und so erscheint es, dass sie nicht Teil vom restlichen Wesen ist. Jedoch ist sie dann nicht weg. Sie taucht als äußere Kraft in Form von Menschen, Situationen oder Systemen wieder auf. Die Welt wird zum Spiegel der in den Schatten gestellten Lebensenergie. Wir nehmen sie als das Andere, Fremde, Unerreichbare oder Bedrohliche wahr. Die Folge ist eine Furcht vor der Welt und die Frage, wo diese sprudelnde Lebendigkeit hin ist. 

Die Perspektive der Angst glaubt an diese Bilder. Sie sagt, sie sind real. So können wir im Wachbewusstsein uns nach Lebendigkeit sehnen, doch unbewusst eine große Angst vor der Lebensenergie haben. Der Teufelskreis findet in der Grundannahme immer wieder Bestätigung und wird verfestigt. Wieder endet die Beziehung, wieder kommt es zum Unfall, wieder nur einen kurzen Kick erlebt und nicht die langersehnte Erfüllung – das Karma wiederholt sich. 

Erfahrungen von Zerrissenheit, Uneinigkeit oder Selbstkonflikte sind Anzeichen dafür. Der Eindruck gefangen zu sein oder sich nicht entfalten zu können, weisen ebenfalls daraufhin. Außerdem kann ein Scheitern von Lösungsversuchen ebenso daraus entstehen, denn das eigentliche Problem bleibt unerkannt. Jede Art von Schuld und Scham gehören dazu. Jeder Gedanke der Unwürdigkeit oder Abwertung geht daraus hervor. Es ist der Urkonflikt mit tausend Symptomen. 

Erlösung durch Erkenntnis 

Die erlösende Botschaft ist, dass der Glaube der Angst nicht die Wahrheit ist. Fürchten wir den Blick nach innen und die Selbstbegegnung, dann schenken wir den trennenden Bildern glauben. Ganz tief verborgen glauben wir, dass wir insgeheim schlecht und schrecklich sind – und deswegen an uns arbeiten müssten, versuchen müssten gut zu sein oder sind besorgt darum alles richtig machen. Versuche der Selbstoptimierung und Veränderungen der Welt sei auf jeden Fall besser, als sich in der Tiefe kennenlernen.  

Stellen wir uns diesen Bildern und forschen tiefer, können wir die Wahrheit dahinter erkennen. Die Erlösung ist tatsächlich so schlicht und einfach. Innere Zuwendung und Forschung, statt Verurteilung und Selbstabwendung. Deswegen weisen die Weisheitstraditionen immer wieder auf eine mitfühlende, nicht verurteilende Betrachtung des Lebens hin. Es geht nicht um Moral und nicht um Gutsein. Es geht nur um Erlösung und Befreiung. 

Jede Angst zeigt also, wo wir Lebensenergie und Wahrheit befreien können. Das ist die sanfte Kraft der Selbsterforschung. Anstatt der trennenden Wahrnehmung der Angst Recht zu geben, forschen wir, was die verborgene Wahrheit darin ist. Dafür muss die Angst nicht verleugnet oder übersprungen werden. Allein das Einströmen von Bewusstsein, das verkörperte Durchfühlen der Angst, öffnet sanft und zugleich auf kraftvolle Weise den Weg zur Wahrheit der Lebensenergie.  

Das sind tiefgreifende Bewusstseinsprozesse, die Zeit und Hingabe brauchen. Wollen wir unser Bewusstsein erweitern, mehr Lebendigkeit erleben oder Freiheit erfahren, sind wir immer zunächst mit unseren Schattenbildern konfrontiert. Wir begegnen erst unseren Bildern und Urteilen über das Leben, bevor wir der Essenz des Lebens selbst begegnen können. Wir erweitern uns in den Schatten hinein und befreien das Leben darin.  

Mit dem Wissen, dass unsere Urteile und Bilder über das Leben nicht die Wahrheit sind, können wir uns nach und nach sanft öffnen und lernen unsere Wahrnehmung durch das Bewusstsein korrigieren zu lassen. Wann immer Ängste aufkommen, bewegt sich in der Tiefe wahres Leben, was zurückkommen und gelebt werden will. So können Ängste zu einem Tor zum Leben werden, durch das wir weise vibrierende Lebensenergie und tiefe Bewegtheit wieder willkommen heißen können.  

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Für alle im forschenden Ringen mit dem Leben dient der Blog als Unterstützung, um innerlich leben zu lernen. Er thematisiert Wege durch das Dickicht der inneren Auseinandersetzung und gibt Inspirationen, um das Leben aus dem Schatten zu befreien und neu kennenzulernen. Dabei schreibt Sara Gnanzou aus bewegten Worten ihrer Forschungen, um Forschungen anzuregen – die Beziehung mit der Göttin, der schöpferischen Lebenskraft, lebendig werden zu lassen und sich mit ihr schöpferisch intelligent durch das Leben zu bewegen.

Über Sara Gnanzou

Wissen
heilsame Perspektiven über die inneren Zusammenhänge dieses schrecklich schönen Lebens

Unterscheidungen
ein Studium der inneren Bewegungen für Orientierung und bewusstes Schöpfen

Lyrik
poetische Wegweiser für die Reise aus dem Leid zur Beziehung mit der Göttin

Praxis
Inspirationen um das Leben pulsieren zu spüren

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