Auf dem Weg und doch nicht: Komme ich voran?

Unsere Vorstellung über das Leben, die das Interesse an dem spirituellen Weg hervorlockten, werden auf gerade diesem Weg unweigerlich gecrasht. Es kommt der Punkt, an dem klar wird, dass die Hoffnung auf das bessere manifestierte Leben mit Traumjob, Traumbeziehung und Traumwohnort nicht eintreten wird. Alle Meditationen und positives Denken haben versagt. Die Bilder, die hinter diesen Worten und Wünschen stehen, werden offensichtlich. Und es wird deutlich, dass diese Ego animierten Bilder wahr werden lassen zu wollen, ein zum Scheitern verurteiltes Projekt ist. Vielleicht ist die äußere Erscheinung eingetreten, doch die innere Erfahrung blieb aus. Bis diese Tatsache in der verkörperten Erfahrung einsinkt, dachte der Verstand, er hätte es schon längst beim Anschauen von Youtube-Videos durchschaut. Der Energieverlust durch das Möglichmachen der persönlichen Traumvorstellungen raubt die Freude am Projekt. Frustration und Zweifel entstehen. Panik steigt auf. Das Leben läuft nicht wie erwartet und doch schreitet es voran.


Bei ehrlichen Selbstreflektionen kommt die konfrontierende Wahrheit zu Tage: ich habe Spiritualität für meine Egoträume missbraucht. Ich bin immer noch vom Wesentlichen davongerannt, bloß habe ich dabei Mantras gesungen und anderen die hermetischen Gesetze erklärt. Diese Ego anbetende Spiritualität steht konträr zur Entwicklung tiefgreifender Einsichten in die eigene Natur. Bin ich denn dann überhaupt auf dem Weg? Macht das alles einen Sinn, wenn es mich nicht dorthin führt, wo ich hinwollte? Komme ich voran?


Diese Fragen sind natürlich von Zweifeln durchzogen und das kann zur Resignation führen. Ich habe beobachtet, dass dies nicht so sehr aus den Zweifeln selbst hervor geht, sondern an dem unbewussten Klammergriff an den Vorstellungen. Die Erkenntnis über die Sinnlosigkeit der Umsetzung Ego animierter Vorstellungen entwickelt sich, doch nichtsdestotrotz hält etwas im Geist hartnäckig an ihnen fest und keine erfahrbare Alternative scheint sich zu eröffnen. Gibt es überhaupt diesen spirituellen Weg zum ewigen Glück? Wieso klappt es bei mir nicht und bei den Coaches aus den Interviews anscheinend schon? Was mache ich falsch und was ist wirklich wahr? Diese Situation schreit förmlich nach Krise – und nach tieferer Einsicht.
Wieso gibt es diese Tendenz an Vorstellungen festzuhalten, wenn sie sich schon lange als hinderlich und schädlich für wahre Lebendigkeit herausgestellt haben?


Als eine Antwort auf diese Frage tauchte in meiner Forschung die fehlende Orientierung auf. Die Vorstellungen geben uns eine Orientierung für die Navigation durch das Leben. So haben wir es in unserer Verstandeskultur gelernt. Ich denke mir etwas aus bzw. mir wird direkt oder indirekt vorgegeben, was ich denken soll, und dann versuche ich das mit aller Willenskraft umzusetzen. Und all die guten Sachen und Zustände des Lebens – weltlich oder spirituell – sollen folgen. Wenn sich diese Vorstellungen nun als Illusionen entpuppen (und das geschieht immer wieder auf neuen subtileren Ebenen), muss fast zwangsläufig eine Orientierungslosigkeit entstehen. Das ist eine Herausforderung, vor der der menschliche Organismus zunächst zurückschreckt.


Eine zweite Herausforderung ist gleichzeitig die weiterhin aktiven ursächlichen Energien hinter diesen Wünschen und Träumen. Es würde also ein Erfahrungsraum der Orientierungslosigkeit mit einem sehr hohen Energiepotential entstehen. Man kann es auch Chaos nennen. Und welcher Mensch hat gelernt damit umzugehen? Unbewusst weicht der programmierte Organismus aus und klammert sich an das Bekannte, währenddessen auf der bewussteren Ebene ein Wandel bereits in Bewegung gekommen ist. Der Wandlungsdruck im Energiesystem steigt während die Reibung zwischen den bekannten Vorstellungen und dem unbekannten Chaos zu einer explosiven Verwirrungsmischung aufblüht. Es kann sich unerträglich und unlösbar anfühlen.


An der Stelle hat sich für mich als erster heilsamer Schritt, das Trainieren von Chaos im Nervensystem zu tolerieren, erwiesen. Ich lade aktiv die Orientierungslosigkeit ein, um mein Nervensystem darin wacher und weiter werden zu lassen. Alle Hilflosigkeit, alle Frustration, alle Verwirrung bekommen Raum und dürfen mich bewegen (Schüttelpraxis). In dieser Zeit kann sich der Energiestau freisetzen, wodurch der panisch anmutende Energiedruck abnimmt. Und gleichzeitig lerne ich mich auf das Neue einzulassen. Das Chaos stellt sich als heilsam heraus. Es heilt im Aufleben und Verwirbeln meiner Lebensenergie das Funktionieren, die Programmierungen und Blockaden.

Eine ganz logische Konsequenz ist das natürliche Loslassen vom Alten. Ich setze auf der energetisch-körperlichen Ebene an, und es bewegt sich von dort in mentale Schichten hinein. Die Verwirrung wird in der gleichen Bewegung entwirrt, wie der Fluss im Energiesystem entsteht. Was ich hier in wenigen Worten umreiße, ist ein tiefgreifender Prozess, der Monate und Jahre brauchen kann. Man kann es Wandlung nennen, man kann es Reinigung nennen oder schlichtweg Umorientierung von Außen nach Innen.


Mit dem Trainieren vom Zulassen des Chaos wird eine natürliche Intelligenz wach gemacht und der Geschmack von wahrer Lebendigkeit wird wieder zugänglich. Der zweite heilsame Schritt ist dann dieser Lebendigkeit und Intelligenz radikal zu folgen – komme was wolle! Und ehrlich gesagt, wird das ab einen gewissen Grad auch unaufhaltsam eintreten. Dabei wird das innere Erleben an Priorität gewinnen und die äußeren Bilder werden fahl. Der Organismus braucht dann keine Vorstellungen mehr, um zu wissen, was zu tun. Die Lebensenergie selbst übernimmt die Führung und wird zum Orientierungsanker. Ein Prozess, der Vertrauen und Leben lehrt sowie viele Einsichten und Heilung bringt. Er zerbröckelt die Selbst- und Weltbilder in einem Ausmaß, dass der Tod näher scheint als das Leben. Demut und Dankbarkeit darüber, wieder wahres Leben lernen zu dürfen, kommt auf.


Natürlich kann man sich dann immer noch in Kreisen drehen und verheddern. Deswegen bleibt die Frage: wie weiß ich das ich vorankomme?


Aus diesem neuen Orientierungsanker heraus kann Vorankommen und Entwicklung durch Verkörperung, Klarheit, Präsenz und Liebestoleranz greifbar werden. In anderen Worten, die Entwicklung wird nicht mehr an äußeren Erscheinungen festgemacht, sondern am eigenen inneren Erleben. Bin ich wach oder schlafe ich wieder? Spüre ich die Vibration von Wahrheit oder habe ich mich in Dissoziation verlaufen? Es wird unwesentlich, ob etwas Vorzeigbares für andere dabei entsteht. Wesentlich allein ist das Aufblühen und Verwirklichen der inneren Wahrheit und Lebendigkeit – egal welche Formen es annimmt.

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Für alle im forschenden Ringen mit dem Leben dient der Blog als Unterstützung, um innerlich leben zu lernen. Er thematisiert Wege durch das Dickicht der inneren Auseinandersetzung und gibt Inspirationen, um das Leben aus dem Schatten zu befreien und neu kennenzulernen. Dabei schreibt Sara Gnanzou aus bewegten Worten ihrer Forschungen, um Forschungen anzuregen – die Beziehung mit der Göttin, der schöpferischen Lebenskraft, lebendig werden zu lassen und sich mit ihr schöpferisch intelligent durch das Leben zu bewegen.

Über Sara Gnanzou

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