Die Menschheit hat das Leben für banal erklärt und versucht sich seitdem davon abzulenken. Als das Göttliche als reale Möglichkeit aus dem kollektiven Bewusstsein versucht wurde zu verdrängen, ging damit eine Glorifizierung der weltlichen Errungenschaften und Befriedigungen einher. Die relative Ebene des Seins wurde endgültig genannt und somit zum Mittelpunkt des Daseins. Die Produktivität nahm zu und wir schufen uns eine schöne neue Welt im Angesicht unserer selbst. Alles begann sich darum zu drehen. Und so drehen wir uns in narzisstischer Kunst um unser kleines, relatives Ich mit all seinen Wünschen, Träumen und Ängsten und erhoffen darin Erfüllung und Glück zu finden. Es ist, was bleibt, wenn Gott nichts weiter ist als ein Konzept oder kurzer Meditationsausflug.
Gleichzeitig bedroht uns eine Leere, die dem Menschen unaushaltsam das Leid der Trennung vom Wesentlichen vorhält. Wesentlich? Was ist wesentlich? Im kollektiven Bewusstsein ist vieles relativ oder ziemlich egal (Nihilismus) oder so extrem wichtig, dass es zum Dogma und Zwang mutiert.
So bleibt die Leere eine immense Bedrohung innerhalb des bestehenden Systems der Verherrlichung des Relativen. Und zwei Wege führen zum gleichen Ziel. Die Vollstopfung der Leere oder die Dissoziation davon münden beide in einer existentiellen Banalisierung des Lebens als Versuch sich vor der Leere zu retten.
Und das ist der wesentliche Punkt, der nicht vollkommen ausgemerzt werden kann. Es liegt in der Natur der menschlichen Seele nach Rettung, nach Erlösung vom Leidvollen, zu streben. Diese Bewegung der Seele findet auf natürlichen Weg ihre Richtung zum Absoluten, zum Lebendigen, zum Göttlichen. Jede befreite Energie, steigt auf. Shakti sehnt sich nach Shiva. Christus öffnet sich für den heiligen Geist.
Doch wenn diese Richtung als versperrt gekennzeichnet ist oder sogar als nicht existent erklärt wird, verheddert sich die Bewegung in einem Teufelskreis. Das, was der Mensch unbewusst als Befreiung ansieht, ist sein Verderb. Er ist geblendet von den Versuchungen des Relativen und findet den Weg nicht. Auf Irrwegen ist für ihn das Leben schrecklich banal und unerfüllend oder von wahnsinnigen Flüchten in die Vergangenheit und Zukunft geprägt, um doch endlich der Banalität zu entkommen und wieder Erfüllung zu finden. Doch diese enden, immer wieder, in dem selben leeren Loch.
Allen voran die Spirituellen, die diesen Teufelskreis mit göttlichen Symbolen schmücken. Ein Missbrauch unvorstellbaren Ausmaßes für die Seele. Eine spirituelle Praktik, die das bessere weltliche Leben durch Jobs mit Entfaltungsmöglichkeit oder bewusste Beziehungen für innere Kinder verspricht, dreht sich in der Essenz ebenso im Stile des Narzissmus um die relative Achse des Seins.
So kommt die Banalisierung des Lebens in verschiedenen Gestalten, in depressiver Schwere, Überproduktivität oder dissoziativen Dahingelebe. Entweder flüchten wir, kämpfen wir oder sind erstarrt – und das in tausend verschiedenen Formen, die wir zu oft heilig, moralisch und gut nennen oder in einen Mantel blinden Mitgefühls vereiteln.
Doch glücklicherweise geht Gott nicht, wenn eine Spezies Bewusstseinsexperimente macht. Ewiges absolutes Sein ist, war und bleibt ewiglich absolutes Sein. Das Absolute und Göttliche kann durch die Aberkennung seiner Existenz nicht ausgelöscht werden, sondern nur unerfahrbar für den Aberkenner werden.
So sehr die Leere eine Bedrohung innerhalb des Systems darstellt, so sehr ist sie eine Bedrohung für das egozentrierte Kreisen selbst. Die Erlösung liegt in der Begegnung mit der Leere, nicht in dessen Auflösung oder Umgehung. Das, was zuvor als Ausweg gesucht wurde, entpuppt sich als das, was es ist – banal. Gleichzeitig offenbart sich in dem Heraustreten aus dem System die Möglichkeit, dass etwas über diese relative, banale Ebene hinaus existieren könnte. Etwas regt sich in der Seele und sie beginnt zu fragen, ob es um etwas seelisch sinnhaftes geht. Die Begegnung mit der Leere führt zu einem ganzkörperlichen Erwachen zum Wesentlichen. Gott ist dann nicht länger Konzept, ein Hoffnungsstern in Krisenzeiten oder eine meditative Tankstation. In und hinter der Leere wartet das Absolute, das wahre Leben in wuchtiger Vibration. Und erst im Angesicht Gottes, in der Erfahrung des wahren Lebens und der Liebe, können wir den wahren Wert unseres Lebens erkennen. Und dann erinnern wir uns: es geht um etwas!
Es geht um das Leben selbst, um jedes einzelne Ding der Lebendigkeit. Doch es geht nicht um die relative Lebendigkeit mit allen seinen Irrungen und Wirrungen, sondern um die absolute Lebendigkeit, die sich mit wahren Werten in der relativen Ebene manifest machen kann. Es geht um die Verkörperung des wahren, göttlichen Lebens, das jeder einzelne Mensch als Gabe in sich trägt und durch Hin-gabe als Bewegungsform zum Wesentlichen erkennen kann. Erst durch das Absolute gewinnt das Relative an Sinn und Wert, erst das Absolute erhebt das relative Dasein aus der Banalität und durchflutet es mit Erfüllung.
So ist es mehr als nötig, dass wir uns wieder gegenseitig ermutigen, nicht länger Banalität zu praktizieren und wahrer Selbsterforschung nachzugehen. In diesen Zeiten des menschlichen Erwachens sind die Verwirrungen und Versuchungen besonders trickreich gestaltet. Und so braucht es präzise Differenzierung und ehrliche Selbstbegegnung, um den schmalen Pfad zur verkörperten Erfahrung des Absoluten zu gehen.
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